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Die übrigen Gebäude sind die aus dem 15. Jahrhundert
stammende Villa Moscardo, an deren Fassade ein Gedenkstein
an den Besuch von Kaiser Karl V am 21. April 1530 erinnert,
außerdem die Gästehäuser, Stallungen und ein eindrucksvolles,
schmiedeeisernes Gewächshaus aus der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts sowie drei Pförtnerhäuser, von denen das
Haupthaus in neugotischem Stil erbaut wurde.
Auch andere Persönlichkeiten residierten zeitweise in der
Villa dei Cedri. Im September 1943 wurde die Villa dei Cedri
nach der Unterzeichnung des Waffenstillstands zum deutschen
Generalkommando in Norditalien; Befehlshaber war hier
Feldmarschall Erwin Rommel, während Feldmarschall Kesserling
das Kommando über Süditalien mit Sitz in Rom übernahm.
Auf die Familie Moscardo, die das Anwesen um die Mitte des
18. Jahrhunderts von den Sansebastiani erwarb, gehen
vermutlich Form und Anlage des Parks zurück, welche in der
Folge von den Miniscalchi Erizzo – Eigentümer vom Ende des
18. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts – verfeinert und
vervollständigt wurden: Die thematische Ausrichtung ist nach
Art des 18. Jahrhunderts arkadisch geprägt mit einer
weitläufigen Gestaltung aus Wegen und freien Flächen, wie
sie für die Gärten des 19. Jahrhunderts typisch werden
sollten. Die recht bekannte Familie Miniscalchi – zur
Verwandtschaft zählte ein venezianischer Doge -, zu deren
Besitz auch ein monumentaler Bau an der Piazza delle Erbe in
Verona zählte, ließ die Villa dei Cedri in
neuklassizistischem Stil erbauen.
In einem wertvollen Fotoalbum von Richard Lotze aus dem Jahr
1860, das im Museo dei Miniscalchi in Verona ausgestellt ist,
sind einige Ansichten des Parks enthalten, dessen üppige
Flora bis heute bewahrt werden konnte. 150 Zedern (Cedrus
atlantica, C. atlantica „Glauca“, C. deodara) sowie Abies
alba, nordmannica, Pinus nigra, P. excelsa, Fragus sylvatica,
P. „Purpurea Pendula“, Liquidambar styraciflua, Taxus
baccata und T. baccata „Frastigiata“ sind einige der
vorhandenen Arten. Vor der Hauptfassade der Villa dei Cedri
wird die Aussicht auf den Rasen von einem wahren Wald aus
Steineichen umschlossen, die zwar nicht zahlreich, aber
derart weit verzweigt und ausladend sind, dass auf dem Boden
darunter eine Art Pflaster für Tanzveranstaltungen verlegt
wurde. Etwas weiter entfernt steht ein Erdbeerbaum von
wahrhaft beunruhigenden Ausmaßen, der in grauer Vorzeit das
Wesen eines Strauchs abgelegt hat, um nun statt einer Rinde
eine verwegen rötliche Haut anzunehmen.
Als der Park ursprünglich angelegt wurde, hatte der Besitz
die Form einer ernormen Mulde, in deren Mitte ein Wildbach
floss. Die Morphologie dieses Orts schien wie geschaffen zu
sein für den kleinen See, der das hervorstechendste Element
des ersten Gartenbauprojekts aus dem 18. Jahrhundert
darstellte. Eine Gedenktafel aus dem Jahr 1725 berichtet mit
lateinischer Feierlichkeit vom traurigen Tod durch Ertrinken
zweier kleiner Kinder vor den Augen der verzweifelten Eltern
und wird durch die örtliche Überlieferung von einem solchen
Unglück bestätigt. Dieser wenngleich tragische Beleg bezeugt
somit, dass der See zu jener Zeit bereits existierte und vom
durch Spundwände umgeleiteten Wildbach gespeist wurde. Aus
dem See strömte ein Abfluss, der seinerseits dem Wildbach
zugeführt wurde. Das war die Situation bis vor wenigen
Jahren.
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Was geschah nun 1989?
Die neuen Eigentümer, die Gesellschaft Villa dei
Cedri S.p.A., deren Präsident Herr Dottor
Vittorio Nalin ist, ließ auf der Suche nach
Wasser zur Bewässerung des großen Parks einen
Brunnen ausheben. |
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In 160 m Tiefe dann die Überraschung: ein
Grundwasservorkommen der besonderen Art – leicht, mit
geringem Mineralgehalt, reich an Bikarbonat, Kalzium,
Magnesium, Lithium, Kieselerde (einem grundlegenden Element
zur Vorbeugung von Arteriosklerose). Und dann die zündende
Idee: Warum nicht das Wasser des Sees (etwa 5.000 m²) durch
dieses heiße Wasser ersetzen, das mit einer Temperatur von
37 °C aus der Erde emporsteigt? Pumpen gewährleisten so eine
tägliche Erneuerung des Seewassers in Höhe von 3.500 m³, das
entspricht der Hälfte seines Gesamtinhalts. Unter dem
Kiesgrund wurde ein Netzwerk aus insgesamt 6 km Leitungen
verlegt, aus denen das Thermalwasser über 1.400 Düsen an
allen Stellen des Sees austritt, damit die Temperatur
überall gleich ist. Nach dem Auslaufen aus dem See und der
Einleitung in den Bach wird das inzwischen kühler gewordene
Wasser zur Bewässerung der umliegenden Felder und des Parks
genutzt, wo es seinen herausragenden Wert für die Gesundheit
der Pflanzen und Feldfrüchte bewiesen hat.
Doch der Thermalsee ist für weitere Überraschungen gut.
Die Grotte, die gleichzeitig mit dem See als Zierelement
gebaut worden war, ist nun ein Ort puren Wohlbefindens: ein
Überfluss an Wassermassage in jeder Form – von oben herab
für Nacken und Rücken, von unten für Füße und Zehen oder
weiter oben regenleichte Tropfen für das Gesicht. Außerdem
kleine Wasserfälle und überall verteilte Fontänen heißeren
Wassers, begleitet vom fröhlichen Stimmengewirr des Seeufers:
Gelächter, spielerisches Versteckspiel zwischen Wasser- und
Rasenfläche, neben weiß bezogenen Holzliegestühlen bis zum
Picknick unter altehrwürdigen Zedern. Während die Sonne die
Gipfel der zweihundert Jahre alten Sequoien, den Hain aus
Taxodium distichum auf der kleinen Insel und die rotbraun
changierende Wiese streichelt. Ganz anders also als in den
traditionellen Kurorten mit ihren schützenden, leicht
melancholischen Thermalanlagen in entspannter aber auch
deprimierender Atmosphäre, die von verlorenem Wohlbefinden,
ersehnter Heilung, zuweilen schwächelnder Gesundheit
erzählen. Der abgeschiedene mythische Garten „Paradeisos“
bietet andere Reize: Inmitten immergrüner Pflanzen scheint
sich die Zeit aufzulösen; die Zukunft verliert sich im
mysteriösen Erdreich geologischer Vorzeit.
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